5.11.11

Brazil (1985) - Terry Gilliam

Sam (Jonathan Pryce) ist ein kleiner unbedeutender Angestellter. Er träumt vom Leben abseits dieser Welt, diesem Chaos in dem er sich jeden Tag verliert. Er verstrickt sich immer mehr in seine Träume, in denen er mit riesigen Schwingen der Welt entfliegt und mit seiner großen Liebe, einer unbekannten Frau, vereint wird. Er schleppt sich durch jeden Tag in seinem ihm unzulänglichen Leben. Am Anfang des Filmes steht der Satz: Morgen ist ein anderer Tag. 
Surrealismus Film BrazilNach diesem Motto lebt Sam. Neben seinen schönen Träumen von Liebe und Freiheit hat er Albträume vom Einbruch der technisierten und unüberschaubaren Welt in die Idylle seiner Fantasie. Seine Angst stellt sich dadurch dar, dass der zuvor angenehme Traum durch gewaltige Wolkenkratzer zerstört wird, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Der Film zeigt eine bis ins Absurde überspitzte Darstellung der modernen Gesellschaft, die schon allein durch die Figur der Mutter verkörpert wird. Sie lässt wie wild an sich rumoperieren um schöner zu werden, was sie aber tatsächlich dadurch nicht wird. Man sitzt zusammen im Restaurant und verspeist Nahrung, die im Grunde genommen immer aus demselben schlammartigen Brei besteht, der einfach nur mit einem beliebigen Geschmack versetzt wurde. 
Gilliam Film, Expressionismus, BrazilNebenher explodieren Bomben im Raum, ohne dass auch nur ernsthaft jemand davon Notiz nimmt. Das Leben in dieser Welt die der Film konstruiert könnte nicht unüberschaubarer und chaotischer sein. Außerdem hat längst die Bürokratie und ein seltsamer Heizungskonzern die Fäden in der Hand. Ich möchte hier mal das Wort kafkaesk einbringen. Denn das Leben dieser Menschen wird von einer Macht kontrolliert, der sie unterlegen sind, die ihnen aber gleichzeitig unbekannt bleibt. 
Brazil Film, Großstadtmotiv, KafkaVor einem Banner mit der Aufschrift "Happiness" auf dem eine übertrieben glückliche Familie dargestellt wird, läuft ein Kind mit einer Maschinenpistole vorbei, dass mit seinen Freunden gerade einen Mord inszeniert.
Der gesamte Film hat einen Touch des Surrealen und Absurden. Wenn man allein schon an die gewaltigen Heizungsanlagen denkt, die sich durch Sams Wohnung ziehen.  Ein Film, der mich mit seiner Machart doch stark an den Surrealismus erinnerte. Jedoch scheint er nicht so weit von der Realität entfernt sein, dass er nicht in der Lage wäre scharfe Kritik auszusprechen. Der ganze Film ist von zahlreichen Anspielungen durchzogen. Ein Werk, dass in seinem Kern an den Prozess von Kafka erinnert, eine Welt, die so unkontrollierbar geworden ist, dass sich der Protagonist Sam in seinen Träumen davon flüchtet. Auch das besondere Ästhetikverständnis von Gilliam kommt hier zum Tragen, wer zum Beispiel "12 Monkeys" oder seinem neusten Film "Das Kabinett des Dr. Parnassus" kennt, weiß wovon ich spreche. Ansehen und sich begeistern lassen.
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