Die Stilmittel
bedingen sich gegenseitig im Film Noir. Der Inhalt ist eng mit der Form
verwoben. Wenn man hier beispielsweise an die emotionale Aufladung der
Darstellung im Expressionismus denkt. Im Weiteren sollen hier nun die einzelnen
Stilmittel kurz vorgestellt werden. Dabei handelt es sich keineswegs um
verbindliche Merkmale des Genres, sondern um einen Querschnitt durch den
Großteil der Filme.
Erzähltechnik
Die Erzählung
ist zumeist von Sprunghaftigkeit und überraschenden Wendungen geprägt, die sich
manchmal jedoch in symbolhafter Weise ankündigen. Einigen dürfte diese
Schicksalhaftigkeit und Vorausdeutung aus der literarischen Gattung der Novelle
bekannt sein.
Ein weiteres
typisches Erzählmittel ist die Off-Erzählung und der Kommentar, wodurch eine
starke Subjektivierung der Handlung beim Zuschauer erreicht wird, was wiederum
zu einer stärkeren Identifizierung mit der Hauptfigur führt und die Handlung
nebenbei emotional auflädt.
filmische Darstellung
Die
klassischen Filme des Noir-Genres (40er bis 50er Jahre) sind üblicherweise in
schwarz-weiß. Das liegt vordergründig nicht an der Technik, denn zu dieser Zeit
wurde bereits ausgiebig mit Farbtechnik wie Technicolor gearbeitet. Die Darstellung
in schwarz-weiß ist vielmehr einem Streben nach Abstraktion geschuldet.
Außerdem unterstreicht sie die Kälte und Härte des Genres und erlaubt
ausufernde Spiele mit Licht und Schatten.
In der
Wiederaufnahme von Stilmitteln des Noir im Neo-Noir finden sich jedoch auch
oftmals farbige Filme, die trotzdem dieses Genre bedienen. Dabei sollte klar
werden, dass ein Film nicht gleich ein Noir ist, nur weil er in schwarz-weiß
gedreht ist, denn schließlich bedeutet das Wort Noir einfach nur schwarz oder
dunkel, was einen solchen Irrtum relativ nahe legt.
Die Darstellung
im Noir ist stark Subjektiviert und wird beispielsweise durch schrullige
Jazzmusik oder der Überpräsenz von Geräuschen untermalt. Doch das macht
schließlich noch keinen Noir aus. Ein weiteres wichtiges Stilmittel filmischer
Umsetzung ist die eigentümliche Lichtgestaltung. Sie betont die Gegensätze,
steht für Ambivalenz. Figuren wird keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt,
man macht im Wesentlichen keinen Unterschied bei der Darstellung von Personen
oder Räumen. Übliche Formen der Ausleuchtung wie das Führungslicht fehlen im
Film Noir. Dadurch erscheinen Menschen mehr verdinglicht, da ihnen die gleiche
Aufmerksamkeit zukommt wie dem Raum in dem sie agieren. So sind Schatten,
Silhouetten von Menschen und Gegenständen wie Jalousien, Treppen und Gittern zum
festen Bestandteil des Genres geworden. Weiterhin bevorzugt der Film das
Seitenlicht wodurch ein besonderer Kontrast erreicht wird und die Person
erscheint noch irrealer.
Die
Kameraführung bevorzugt unnatürliche Linien, sie arbeitet beispielsweise mit
Diagonalen Fahrten über die Personen hinweg, als würde sie nur ein zufälliger
Blick treffen und sich dem Zuschauer als Zerrbild der Wirklichkeit bieten.
Oftmals wird der Horizont verstellt durch übergroße Gegenstände wodurch dem
Zuschauer die Tiefenwirkung der Bilder abhandenkommt. Dies lässt die Handlung
irreal bis absurd wirken.
Insgesamt
arbeitet die Darstellung in enger Zusammenarbeit mit dem Inhalt, sie
repräsentiert sich als Teil von diesem und umgekehrt. Die Darstellung
ermöglicht weiterhin eine Psychologisierung der Personen und unterstreicht
damit auch inhaltliche Aspekte wie die Charakterisierung der Personen.
Motive
Zu den
Motiven der Darstellung gehören Krisen gesellschaftlicher Art wie sie vor allem
in der Nachkriegszeit der 40er Jahre zu gegen waren. Damit war der Noir ein
Genre, das sich hoch aktueller Themen bediente und diese auf die Leinwand
brachte. Häufige Themen sind Verbrechen, Unglück, Schicksal, Entfremdung und
Verunsicherung.
In der
amerikanischen Ausprägung findet sich häufig eine Verkehrung des „american way
of life“. Statt des Erfolges wartet auf die Figuren der soziale Abstieg,
Misserfolge und schließlich der Untergang. Dargestellt wird ein Irrweg durch
das Leben, der letztendlich niemals zum Ziel führt. Man kann hier von einer
sehr pessimistischen Weltsicht ausgehen, jedoch ohne dass sich die Figur
bewusst der Passivität hingibt und sich seinem Untergang bewusst ist. Es sind
Charaktere, die stets einen Lichtblick haben oder es glauben, der aber nie zum
Erfolg führen wird, weil sich die Wirklichkeit hier als ein Vexierspiel von Trugbildern präsentiert, hinter denen
immer nur der Untergang wartet, ganz gleich welche Anstrengungen der Mensch auf
sich nimmt. Wahrheit und Lüge sind zu einer Einheit verschmolzen. Eine
Objektivierung der Verhältnisse ist unmöglich.
Die Themen
entstammen auch nicht selten der Trivialliteratur und bieten an sich keinen
großen literarischen Anspruch. Denn der Fokus im Noir liegt nicht zwangsweise
auf dem Inhalt, sondern vielmehr auf der Darstellung und Inszenierung.
Schauplätze
Zu den
Schauplätzen des Noir zählt definitiv die Großstadt. Sie ist das Schaubild
aller Laster, die den Menschen in den Schlund des Verderbens ziehen. Der Boden
der Großstadt ist übersät von schmutzigem Geld, Sex, Intrigen und Verbrechen
und die Helden des Noir bleiben schlichtweg kleben. Egal wie schnell sie
versuchen werden aus der Stadt zu rennen, sie werden sich keinen Meter aus ihr
hinaus bewegen können. Eine sehr gute Szene dieser Art wird in "Die Explosion des Schweigens" abgebildet. Die
Schauplätze sind nicht die schönen Plätze der Stadt wie etwa die Boulevards.
Der Noir spielt sich in Hinterhöfen, auf Feuerleitern, schäbigen Hotels,
Lagerhallen, Häfen und Bars ab. Dabei spiegeln die Schauplätze nicht selten
auch die Gefühlslage der Figuren wieder. So wird das alte Hafengelände in dem
der Held umherirrt zum psychologischen Schauplatz, zum Austragungsort innerer
und äußerer Spannungen.
Figuren
Die Frauen des Film Noir, die man wegen ihrer intriganten Art und Verruchtheit auch Femme fatales nennt, sind berühmt geworden durch das Noir-Genre. Sie sind egoistisch, spinnen Intrigen, selbstbewusst, erotisch, verführerisch und schrecken nicht vor Mord und Verbrechen zurück. Ihr Ehrgeiz bei der Durchsetzung ihrer Ziele reicht bis zur absoluten Selbstaufgabe. Dieser Frauentypus hat sich bereits in den Jahren der Weimarer Republik herausgebildet und steht stellvertretend für das neu erwachte Selbstbewusstsein der Frauen.
Der
Männertypus im Noir ist zweierlei. Dabei handelt es sich stets um zwielichtige
Helden, die sich durch hohe Ambivalenz auszeichnen. Sie sind nie nur gut oder böse.
Ein solcher Typus ist der starke Held, dem es gelingt sich aus dem Fangnetz der Femme fatale
fernzuhalten, aber schließlich der Konfrontation mit den harten Seiten des
Lebens erliegt. Er benutzt Menschen, insbesondere die Frauen, oder bedient sich fragwürdigen Mitteln bei der Durchsetzung seiner Ziele, die ihn zu einem besseren Leben führen sollen.
Der zweite
Typus ist der häufigere. Er ist schwach, ein Opfer, neurotisch, orientierungslos,
erreicht fast nie seine Ziele, ist ein Einzelgänger, ein gebrochener Mensch,
gescheitert, pessimistisch und ausgeliefert. Er verfällt zumeist den Verführungen und Intrigen der Frauen, manchmal schon nach ihrer ersten Begegnung. Die klassische Rolle zwischen Mann und Frau verkehrt sich hier ins Gegenteil und die Frauen machen von ihren Waffen ausgiebig Gebrauch.
[1] Heinzlmeier, Adolf: Kino der Nacht. Hollywoods schwarze Serie. Zürich: Rasch und Röhring 1985.
[2] Grob, Norbert (Hg,); Filmgenres. Film Noir. Stuttgart: Reclam junior 2008.
[2] Grob, Norbert (Hg,); Filmgenres. Film Noir. Stuttgart: Reclam junior 2008.







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